
Inhalt:
Thema
Präambel
1. Rahmenbedingungen
1.1 Träger der Einrichtung
1.2 Beschreibung der Einrichtung
1.3 Einzugsbereich
1.4 Gruppenstärke
1.5 Öffnungszeiten
1.6 Personal
1.7 Der Bildungsauftrag in unserer Kindertagesstätte
2. Die Lebenssituation unserer Kinder
oder Kindheit heute
3. Ziele unserer pädagogischen Arbeit
3.1 Kinder in Übergängen stärken
3.2 Kinder stark machen für das Leben
3.3 Sozialkompetenz
3.4
Sachkompetenz
3.5
Sprachkompetenz
3.6 Mädchen und Jungen
3.7
„Mein Körper ist mein Haus“!
3.8
Das Spiel in der Kindertagesstätte
3.9 Partizipation
4. Tagesablauf
4.1 Feste Aktivitäten in unserem Haus
5. Formen und Planung unserer pädagogischen
Arbeit
5.1 Lebenssituationen sind Ausgangspunkt für
Lernprozesse
5.2 Reggio
5.3 Alterserweiterung
5.4 Interkulturelle Erziehung
5.5 Integration
5.6 Die sprachheilpädagogische Arbeit in unserer
Kita
5.7
Bewegung
5.8
Die krankengymnastische
Versorgung in unserer Kita
5.9
Fit für die Schule
6. Zusammenarbeit
6.1
Teamarbeit
6.2
Eltern in der Kindertagesstätte
6.3
Unsere Kindertagesstätte
im Gemeinwesen
6.4
Generationsbegegnungen
in unserer Kita
Inhalt:
Thema
Öffnungszeiten
der Kindertagesstätte
Gedicht
aus Reggio Emilia
Zitat
aus : „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ H. Hesse
Anhang
I Quellenverzeichnis
Anhang
II Fremdworterklärungen
Präambel
Unsere Kindertagesstätte ist
ein Ort, an dem die grundlegende Haltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
auf der Achtung vor dem ganzheitlichen Menschen beruht.
Die Bedeutung darin liegt in
dem Satz, der in unserem Grundgesetz allem anderen vorangestellt ist:
Die Würde des Menschen ist unantastbar
Wir haben uns mit Wertentscheidungen
auseinandergesetzt und diese in der Umsetzung unserer Arbeit mit Menschen festgelegt.
Wir haben uns nur die scheinbar
einfache Frage gestellt: „Was ist gut für den Menschen?“
Pädagogische Grundsätze zu formulieren
bedeutet für uns, sich auf Maßstäbe und auf Grenzen zu verständigen.
Folgende Antworten haben wir
gemeinsam im Team festgelegt:
-
Nichts darf über die Würde des Einzelnen gestellt
werden.
-
Sein Recht auf Freiheit, Selbstbestimmung und gewaltfreie
Erziehung ist unantastbar. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzung und
andere entwürdigende Maßnahmen finden bei uns keine Akzeptanz.
-
Im Verhältnis Erwachsene- Kinder dominieren für uns:
Wechselseitiger Respekt, Partnerschaft und Orientierung, Selbstbestimmung und
Förderung, Sicherheit als Basis für Eigenständigkeit, Unterscheidung zwischen
persönlicher Meinung und Kinderinteressen.
-
Wir sind uns darüber im Klaren, dass unser Verhältnis
zu den Kindern ein ungleiches bleibt, wir die Verantwortung behalten und die letzten
Entscheidungen zu treffen haben. Weil dies so ist, liegt es in unserer Verantwortung,
unseren Kindern Mitsprache und Beteiligung, wo immer es geht zu ermöglichen. Die
Einbeziehung eines jeden Menschen ist nötig, weil es in unserer Gesellschaft Ausgrenzung
gibt. Ausgrenzung von Behinderten, Ausländern, Leistungsschwachen, Stillen, Schwierigen,
besonders Klugen, Hässlichen, Widerborstigen usw. !
Eine
Chance sehen wir darin, Zivilcourage als Verhaltensziel zu entwickeln.
-
Wir verstehen Erziehungs- und Entwicklungsprozesse
grundsätzlich im Sinne einer aktiven Aneignung der Welt durch das Kind selbst.
Unser Bild vom Kind ist nicht defizit-orientiert, wir schauen was es mitbringt
und was es kann.
-
Wir halten das Zusammenleben und die gemeinsame Erziehung
von Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen prinzipiell
für grundlegend und zugleich für zukunftsweisend.
-
Durch ein hohes Maß an Arbeitsmotivation und beruflichem
Engagement schaffen wir uns Entwicklungschancen. Dadurch erhöhen wir unsere Arbeitszufriedenheit.
Die Zusammenarbeit erleben wir als demokratisch, integrativ und kooperativ.
Das zusammengefasst bedeutet für uns ein professionelles Arbeitsverhalten:
-
Zusammenarbeit im Team
-
Transparenz von Regeln und Entscheidungen
-
Persönliche Verlässlichkeit
-
Übereinstimmung zwischen Reden und Handeln
1. Rahmenbedingung
1.1
Träger
der Einrichtung
Die paritätische Kindertagesstätte
Vorbrück, Hilperdinger Weg 8, 29664 Walsrode ist eine Einrichtung des eingetragenen
Vereins:
Paritätische Kindergärten und
soziale Dienste e.V.
Siebensteinhäuser Weg, 29683
Fallingbostel.
Dieser Verein ist ferner Träger
der Spielkreise Krelingen und Ostenholz, der Kindertagesstätten Düshorn und Therese
von Plato Walsrode.
1.2
Beschreibung
der Einrichtung
Die Kindertagesstätte befindet
sich seit dem 01.August 1990 in einem von der Stadt Walsrode durch den Träger
angemieteten Gebäude an einer verkehrsarmen Straße.
Das Grundstück der Kindertagesstätte
grenzt an das der Grundschule Vorbrück, sowie an Wohngrundstücke. Auf der gegenüberliegenden
Straßenseite befindet sich eine Wohnsiedlung.
Im Erdgeschoss des Gebäudes
befinden sich:
-
zwei Gruppenräume mit Wasch- und Abstellräumen, einer
dieser Gruppenräume hat zusätzlich einen Therapieraum
-
ein Zentrum für Begegnungen
-
ein Büro
-
eine Küche
-
ein Werkraum
-
zwei Abstellräume
-
ein Raum für Putzmittel
-
eine Personaltoilette
-
ein Abstellraum
Im Obergeschoss befinden sich:
-
zwei Gruppenräume mit Wasch- und Abstellräumen
-
ein Garderobenflur
-
ein Personalraum
-
eine Personaltoilette
-
eine Dusche
-
ein Heizungsraum
1.3
Einzugsbereich
In unserer Kindertagesstätte
werden Kinder aus Walsrode und seinen Ortsteilen aufgenommen. Sind freie Plätze
vorhanden, werden auch Kinder aus anderen Städten und Gemeinden aufgenommen.
Durch die angrenzende Grundschule
Vorbrück hat sich in den letzten Jahren die Aufnahme der Kinder am Einzugsgebiet
der Schule orientiert und verfestigt.
Das Aufnahmeverfahren und die
Gebühren sind in der Satzung der Kindertagesstätte festgelegt.
1.2 Gruppenstärke
Die Stärke der Regelgruppen
beträgt 25 Kinder, die der integrativen Gruppen 18 Kinder.
1.3 Öffnungszeiten
Die Kindertagesstätte ist montags
bis freitags von 6.45 Uhr bis 13.00 Uhr und von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.
Die Kernzeit der Vormittagsgruppen
ist von 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr.
Die Kinder aus den integrativen
Gruppen werden von 08.00 Uhr bis 13.00 Uhr oder 14.00 Uhr betreut. Ein Frühdienst
besteht von 06.45 Uhr bis 08.00 Uhr.
Das Mittagessen ist ein Angebot
der integrativen Gruppen.
Zwischen Weihnachten und Neujahr
und eine Woche während der Sommerferien ist die Einrichtung geschlossen. Für interne
Fortbildungen ist die Kindertagesstätte zwei Tage im Jahr geschlossen. Ebenfalls
für die vorgeschriebenen Reinigungsarbeiten schließt die Kindertagesstätte zwei
Tage im Jahr.
1.4 Personal
Die Kindertagesstätte wird von
einer Erzieherin mit entsprechenden Zusatzqualifi- kationen geleitet.
Jede der Regelgruppen wird von
einer Erzieherin und einer pädagogischen Zweitkraft betreut.
In den integrativen Gruppen
ist zusätzlich jeweils eine heilpädagogische Fachkraft beschäftigt.
Viele der pädagogischen Fachkräfte
verfügen über Zusatzqualifikationen.
Zwei Zivildienstleistende unterstützen
das Team zusätzlich.
Therapeuten sind in den integrativen
Gruppen tätig.
Für die Kindertagesstätte gibt es zwei Reinigungskräfte.
Praktikanten werden von Fachschulen,
Schulen, Maßnahmen der VHS und Universitäten nach Möglichkeiten und Bedarf der
Gruppen beschäftigt.
1.5 Der Bildungsauftrag
in unserer Kindertagesstätte
Unsere Kindertagesstätte hat neben dem Betreuungs- und Erziehungsauftrag auch einen eigenen Bildungsauftrag, der für Niedersachsen im Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder (KiTaG) ausgewiesen wird.
§ 2 Auftrag der Tageseinrichtungen
(Auszug)
(1) Tageseinrichtungen
dienen der Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern. Sie haben einen eigenen
Erziehungs- und Bildungsauftrag.
Tageseinrichtungen
sollen insbesondere
... die Kinder in ihrer Persönlichkeit stärken,
... sie in sozial verantwortliches Handeln einführen,
... ihnen Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln,
die eine eigenständige Lebensbewältigung im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten
des einzelnen Kindes fördern,
... die Erlebnisfähigkeit, Kreativität und Phantasie
fördern,
... den natürlichen Wissensdrang und die Freude
am Lernen pflegen,
... die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen
erzieherisch fördern und
... den Umgang von behinderten und nicht behinderten
Kindern sowie von Kindern unterschiedlicher Herkunft und Prägung untereinander
fördern.
Das Recht der Träger der freien Jugendhilfe,
ihre Tageseinrichtungen entsprechend ihrer erzieherischen Grundrichtung in eigener
Verantwortung zu gestalten bleibt unberührt.
(3) Zur
Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages sind die Tageseinrichtungen so
zu gestalten, dass sie als anregender Lebensraum dem Bedürfnis der Kinder nach
Begegnung mit anderen Kindern, Eigentätigkeit im Spiel, Bewegung, Ruhe, Geborgenheit,
neuen Erfahrungen und Erweiterung der eigenen Möglichkeiten gerecht werden können.
Der Bildungsauftrag der Kindertagesstätte
besteht über die gesamte Zeit des Kindertagesstättenbesuchs – also nicht nur für
das letzte Jahr vor dem Schuleintritt.
2. Die Lebenssituation
unserer Kinder oder Kindheit heute
Veränderte Lebensbedingungen
unserer Kinder und ihrer Familien heute sowie voraussichtliche Zukunftsanforderungen
stellen den Ausgangspunkt für unsere pädagogischen Überlegungen dar:
Was brauchen Kinder jetzt, was
brauchen sie für später?
Die Antwort dieser Fragen bildet
unsere Richtschnur für die Planung, Umsetzung und Reflexion unserer pädagogischen
Arbeit.
Nach unseren Beobachtungen bedeutet
Kind-Sein heute häufig:
-
dass sich die Umwelt nachhaltig verändert hat
-
dass die Wohnsituation unserer Kinder vielschichtig
ist (Migrantenheim, Siedlungen, Wohnblock, Einfamilienhäuser)
-
dass es Kinderzimmer oft nur in kleinen Größen gibt,
die Spiel in größeren Gruppen nicht mehr zulassen
-
dass die Straßen ausschließlich dem Verkehr gehören
-
dass andere Spielräume häufig von Erwachsenen für
zu gefährlich gehalten werden
-
dass die Spielplätze nicht von unseren Kindern aufgesucht
werden, da sie nur wenig Spielanreiz bieten
-
dass Kinder immer mehr mit vorgefertigten Produkten,
sei es Spielzeug, Fertignahrung usw., umgehen. Das schränkt Kreativität ein und
lässt die Fähigkeit verkümmern, Entstehungsprozesse nachvollziehen zu können
-
dass die Kinder, anstatt mit einfachen Sinnen und
im handelnden Umgang mit der Umwelt Lernerfahrungen zu machen, die Wirklichkeit
aus zweiter Hand kennenlernen
-
dass wir eine vielfältige Mischung von Menschen anderer
Kulturen erleben – diese Vielfalt erleben wir als bedeutsam für unsere Arbeit
Daraus ergeben sich für uns
folgende Aufgaben:
-
Unsere Kindertagesstätte ist ein Ort, an dem vieles
von dem stattfinden kann, was zu Hause und außerhalb für die Kinder nicht möglich
ist. Ihn in diesem Sinne zu nutzen, sehen wir als besonders wichtig an.
-
Unsere Kindertagesstätte ist ein Haus für Kinder
und nicht die Privatwohnung des Teams. Daraus resultiert die räumliche Gestaltung
wie auch das Regelwerk.
-
Uns ist bewusst, dass unsere Arbeit nicht nur auf
die Kinder, sondern auch auf die Familie einwirkt. Es ist uns darum eine wichtige
Aufgabe, dies bei der Festlegung von Regeln und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
-
Die Zeit in der
Kindertagesstätte soll eine schöne Zeit für die Kinder sein, an die sie sich später
mit Freude erinnern.
Es geht uns nicht nur darum,
für das (spätere) Leben zu lernen, sondern immer auch darum, die Gegenwart zu
genießen.
3.
Ziele unserer pädagogischen Arbeit
3.1
Kinder in Übergängen stärken
Der gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Wandel lässt uns die Vorbereitung auf die Zukunft unserer Kinder bereits in der Kindergartenzeit zunehmend bedeutsamer erscheinen.
Wir wissen jetzt noch nicht
welche Probleme Kinder in fünfzehn oder zwanzig Jahren lösen müssen.
Da Kinder nicht nur für die
Bewältigung bereits eingetretener, sondern auch zu erwartenden Veränderungen vorbereitet
und ausgerüstet werden müssen, gewinnt für uns die Förderung von übergreifenden
Kompetenzen und Fähigkeiten an Gewicht.
Neben den bereits bestehenden
Zielen unserer Arbeit zählen für uns
Drei Basiskompetenzen heben
wir dabei besonders hervor:
- Resilienz d.h. die Erfahrung und die daraus gewonnene Überzeugung Herausforderungen bewältigen zu können
-
Bewältigungskompetenz in Übergängen (Schule- Familie-
Ausbildung...)
-
Lernen wie man lernt ( methakognitive Kompetenz,
Pisa-Studie)
3.2
Kinder stark machen für das Leben
Das Kind sollte als starke Persönlichkeit betrachtet werden, die es gilt, in ihrer Entwicklung zu unterstützen und nicht als „hohles Gefäß“, das zu füllen ist.
Dieser
innere Antrieb leitet das Kind in seiner Entwicklung, lässt es immer wieder neue
Herausforderungen suchen und daran wachsen. So wie die Bewegungsentwicklung der
Kleinkinder ohne das Zutun und Eingreifen von Erwachsenen verläuft, wird auch
die weitere körperliche, emotionale und kognitive Entwicklung wesentlich von innen
gesteuert. Das bedeutet auch, dass wir darauf vertrauen können, dass Kinder von
sich aus, zum richtigen Zeitpunkt ihrer Entwicklung Interesse und Aufmerksamkeit
für den jeweiligen Kompetenzerwerb aufbringen. Dieses Prinzip hat Maria Montessori
schon vor fast hundert Jahren den „inneren Bauplan“ eines Kindes genannt. Damit
Entwicklungsprozesse in Gang kommen können, braucht es bestimmte Bedingungen.
Kinder brauchen eine Umgebung, die es ihnen ermöglicht, ihren Bedürfnissen gemäß
aktiv zu sein.
Grundbedürfnisse
von Kindern sind:
Geborgenheit
– emotionale Zuwendung – Vertrauen – konsequente Regelsetzung – Autonomie und
Freiheit – Beachtung – Beteiligung und Mitgestaltung – Anerkennung – Erfahrungsmöglichkeiten
– Räume zum Selbstständigwerden – Verlässlichkeit und Kontinuität. Kinder brauchen
feste, stabile, sichere, vertrauensvolle Beziehungen, in denen sie Orientierung
und Antwort auf ihre Fragen und Bedürfnisse finden.
Ob
sich ein Kind für stark oder für schwach hält, ob es Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten hat, bei Schwierigkeiten schnell aufgibt oder sich durch sie geradezu
herausgefordert fühlt – all das ist abhängig von dem Bild, das das Kind von sich
selbst hat.
In
diesem Selbstbild spiegeln sich die Erfahrungen wieder, die es in der Auseinandersetzung
mit seiner sozialen und materiellen Umwelt gewonnen hat, ebenso aber auch die
Erwartungen, die von der Umwelt an das Kind herangetragen worden sind.
Wir
schätzen jedes einzelne Kind als eigenständige Persönlichkeit, mit seinen individuellen
Fähigkeiten und seiner Neugier, die Welt zu entdecken:
Wir
messen Kinder nicht an dem, was ihnen noch fehlt, sondern an dem was sie bereits
sind: Menschen mit eigener Wahrnehmung, mit eigenen Bedürfnissen und eigenen Erwartungen,
die Respekt verdienen. Kinder forschen und lernen mit allen Sinnen und benötigen
dafür ausreichende Möglichkeiten, um sich spielerisch und schöpferisch mit ihrem
Lebensumfeld auseinander zu setzen. Wir schaffen (Zeit-)Räume und Situationen
für den spezifischen Lern- und Entwicklungsprozess von Kindern. Die kindliche
Eigentätigkeit, Engagiertheit und Selbstorganisation stehen dabei im Mittelpunkt.
Selbstständigkeit
ist in unserer Kindertagesstätte ein wichtiges Erziehungs- und Bildungsziel, das
den Alltag bestimmt. Nur autonome Menschen mischen sich ein und können zu mündigen
Bürger/innen in einer demokratischen Gesellschaft werden.
3.3
Sozialkompetenz
Vom Ich zum Wir
Mit
dem Besuch der Kindertagesstätte begeben sich Kinder erstmals außerhalb ihrer
Familie in eine soziale Gruppe – Sie müssen lernen mit Kindern unterschiedlicher
Sozialerfahrungen, verschiedener Interessen und Bedürfnissen auszukommen, in einer
Gruppe miteinander zu leben, gruppenfähig zu werden.
Wenn
das Kind mit drei Jahren in die Kindertagesstätte kommt, sieht es sich als „Mittelpunkt
der Welt“ - es ist egozentrisch. Z. B. hält es sich beim Versteckspielen die Augen
zu und meint, dass auch die anderen Kinder es jetzt nicht mehr sehen könnten („Ich
bin nicht da, such mich doch!“).
Sie
müssen in der Kindertagesstätte lernen, ihre eigene Persönlichkeit und Individualität
aufzubauen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Kinder entsprechend ihres
Entwicklungsstandes gefördert werden. Sie brauchen unterschiedliche Angebote,
sowie die Freiheit, ihre Interessen verfolgen zu können. Sie zeigen uns durch
ihre eigenen Signale, was sie zu ihrer eigenen Entwicklung brauchen. Wir setzen
bei den jeweiligen Vorlieben und Stärken der Kinder an, um ihnen Erfolgserlebnisse
zu verschaffen und ihnen so Mut für neue Vorhaben zu machen (Selbstbewusstsein).
Sie brauchen die Freiheit, sich selbst erfahren zu können. Sie sind auf der Suche
nach sich selbst: „ Das bin ich, das kann ich, das schaffe ich und das traue ich
mir zu!“.
Kinder
brauchen Gelegenheiten, ausgiebig und immer wieder mit anderen Kindern zusammenzutreffen
und den Umgang mit ihnen zu erfahren und zu erleben.
Soziale
Kompetenz lässt sich nur durch ein Einlassen auf andere Menschen und deren Erfahrungen
erleben, sie brauchen die Erfahrung der Verlässlichkeit menschlicher Beziehungen,
z. B. „Du bist doch mein Freund?“, besonders dann, wenn es darum geht, Erlebnisse
einzuordnen oder unverständliches Verhalten auszuhalten (Frustrationstoleranz).
Die
Entwicklung der Persönlichkeit bedeutet nicht, dass der eine sich gegen die anderen
rücksichtslos durchsetzt, sondern zu wissen,
was man selbst braucht. Die Kinder sollen fähig werden die eigenen Bedürfnisse
anderen mitzuteilen und das eigene Leben zu gestalten. Wer gelernt hat, eigene
Wünsche auszusprechen, kann auch anderen eigene Bedürfnisse zugestehen.
Dieser
Lernprozess beinhaltet Selbstbewusstsein, Toleranz, Rücksichtnahme, Akzeptanz
(z.B. von Regeln), Kompromiss- und Konfliktbereitschaft (z.B. wechselseitige Bedürfnisse
und Interessen kennen zu lernen), das Problem zu erfassen und angemessene Lösungsmöglichkeiten
zu erkennen.
Die
Vermittlung von sozialer Kompetenz ist ein spezifischer Teil der gesamten Erziehung
und damit untrennbar verbunden.
3.4
Sachkompetenz
Das Kind als Forscher
„Kinder sind ebenso wie Dichter,
Musiker und Naturwissenschaftler- eifrige Forscher und Gestalter. Unsere Aufgabe
besteht darin, die Kinder bei ihrer Auseinandersetzung mit der Welt zu unterstützen,
wobei all ihre Fähigkeiten, Ausdrucksweisen und Kräfte eingesetzt werden.“
Loris
Malaguzzi
In diesem Zitat ist der Wissensdurst,
die Neugierde und die Lernbereitschaft der Kinder zu erkennen. Wir brauchen die
Kinder zum Lernen nicht anzutreiben, sondern sie nur zu unterstützen.
Uns ist wichtig, dass die Kinder
die Möglichkeit haben:
So erleben und erwerben sie
ihr Sachwissen (Zahlen, Farben, Formen, Zusammenhänge, Regeln usw.) ganz nebenbei.
3.5 Sprachkompetenz
Dass wir sprechen können, heißt lange noch nicht, dass wir auch etwas sagen.
Grundlegend
für die Entwicklung sprachlicher Kompetenzen sind die ersten sechs Lebensjahre.
Nur in dieser Zeit können Kinder relativ mühelos ihre Muttersprache und sogar
eine zweite Sprache parallel erwerben.
Auch
der Spracherwerb ist ein Lernprozess, der durch die aktive Auseinandersetzung
des Kindes mit seiner Umwelt getragen wird. Wichtig für den Erwerb von Bedeutungen
und den Aufbau von Begriffen sind die Erfahrungen, die das Kind im handelnden
Umgang mit Dingen und Personen seiner Umwelt macht.
Zum
Sprechen gehört nicht nur die Kenntnis von Wörtern und Begriffen, das Verständnis
einer Sprache, sondern auch Mut und Motivation, mit Hilfe von Sprache Kontakt
aufzunehmen, eigene Wünsche mit zu teilen, andere an unseren Gedanken und Gefühlen
teilhaben zu lassen.
Die
Sprechfreude, die Sprechbereitschaft, die ein Kind im Kindergartenalltag zeigt,
hat nicht nur mit seiner Kenntnis von Sprache zu tun, sondern auch mit Gefühlen
von Vertrautheit oder Fremdheit: je mehr Vertrautheit das Kind findet, desto unbefangener
wird es sich sprachlich äußern; je fremder es sich fühlt, desto größer erlebt
es das Risiko etwas Falsches zu sagen und schweigt.
Deutsche
und nicht-deutsche Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren nehmen in Kleingruppen an
regelmäßigen spielerischen Angeboten teil.
In
der Planung achten wir darauf, dass die Kinder Möglichkeiten haben, um sensorische,
motorische, kommunikative und emotionale Erfahrungen zu machen. Die sprachliche
Förderung ist somit ein Bestandteil der pädagogisch ganzheitlich ausgerichteten
Erziehung.
Unsere
Aufgabe ist, den Kindern Sprachanlässe zu schaffen, damit:
-
sie Freude am Sprechen
entwickeln;
-
sie Selbstvertrauen
entwickeln und den Mut haben, bekannte Wörter an zu wenden;
-
sie spielerisch
die deutsche Sprache erlernen bzw. festigen;
-
sie Möglichkeiten
der Kommunikation mit Kindern und Erwachsenen, die eine andere Sprache sprechen,
entwickeln und einsetzen;
-
sie Konflikte verbal
regulieren können;
-
der Wortschatz
der Kinder erweitert wird und die Begriffe differenziert werden;
-
sie Offenheit,
Toleranz und Akzeptanz gegenüber Fremdartigem entwickeln.
Kinder
kommen als Mädchen und Jungen zur Welt und werden durch familiäre und gesellschaftliche
Rollenerwartungen geprägt.
Viele
Eltern wünschen sich, dass aus ihrem Jungen ein „richtiger” Junge wird und aus
dem Mädchen ebenfalls ein „richtiges” Mädchen.
Elterliche
Wunschvorstellungen werden bereits auf das ungeborene Kind übertragen. Laut Untersuchungen
wurden männliche Säuglinge als stark und durchsetzungsfähig wahrgenommen, während
dieselben Säuglinge, als Mädchen präsentiert, als zart und hilflos erlebt und
dann auch so behandelt wurden.
Jungen
und Mädchen werden in die Umgebung, in der sie aufwachsen hineinsozialisiert.
Das bedeutet, dass sie die Rolle übernehmen, die ihnen vorgelebt und anerzogen
wird. Es sind Vorbilder, die bewusst oder auch unbewusst das Verhalten der Kinder
prägen. Eltern sind dabei die stärksten Bezugspunkte und wichtigsten Vorbilder.
Kinder sehen genau hin, wollen so sein und werden, wie sie den jeweils gleichgeschlechtlichen
Elternteil sehen.
Auf
Grund veränderter Lebenssituationen in der heutigen Gesellschaft erleben Kinder
unterschiedliche Rollenvorbilder (alleinerziehende Mütter oder Väter, Frauen in
Männerberufen, Männer in Frauenberufen, Rollentausch (sie geht arbeiten – er bleibt
bei den Kindern), gleichberechtigte Arbeitsteilung usw.
Auch
in Familien, in denen die traditionelle Rollenverteilung nicht mehr in herkömmlicher
Weise vermittelt wird, zeigen Kinder geschlechtsspezifische Verhaltensweisen.
Denn
Kinder lernen auch von ihrer Umwelt – anderen Erwachsenen, Freunden, im Kindergarten,
auf der Straße, vor dem Fernseher.
Noch
lange, bevor die Kinder mit etwa drei Jahren beginnen, sich bewusst mit der eigenen
Geschlechtszugehörigkeit zu befassen, haben sie von der Familie und Umwelt gespiegelt
bekommen, wie ein „richtiger” Junge und ein „richtiges” Mädchen zu sein hat.
Mädchen
„sollen” lieb und anschmiegsam sein, sich anpassen und bereit sein, für andere
zu sorgen. Stärke macht „unweiblich”
Jungen
„sollen” furchtlos und stark sein, sich wehren, keine Angst haben. Schwäche ist
„unmännlich”
Kinder
brauchen beides: Das Mädchen braucht Durchsetzungsvermögen, um sich zu behaupten.
Der Junge braucht Einfühlungsvermögen, um die Grenzen von anderen zu akzeptieren.
Jedes Kind ist anders, Junge und Mädchen sind oft verschieden – auch auf Grund
der unterschiedlichen Erwartungen der Umgebung. Beide haben das Recht, ihre spezifischen
Eigenschaften, Merkmale und Fähigkeiten herauszubilden und dabei Ermutigung und
Orientierung zu erhalten.
Wir
möchten Rollenklischees auflösen und die Kinder bei der Herausbildung einer eigenen
Geschlechtsidentität ohne festgelegte Zuschreibungen unterstützen, indem wir Mädchen
und Jungen Chancengleichheit und damit gleiche Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Chancengleichheit
bedeutet, dass Mädchen und Jungen das tun können/ dürfen, was ihren Bedürfnissen,
Neigungen und Interessen entspricht und sich dabei Kompetenzen aneignen, die nicht
geschlechtsgebunden sind.
Wir
möchten sie darin unterstützen, indem wir Erfahrungsräume und genügend Spiel-
und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Auseinandersetzung mit verschiedenen
Materialien, Medien und neuen Techniken soll den Kindern ermöglichen, das eigene
Können zu erfahren, die Selbstbestätigung der eigenen Person zu erleben und die
Sicherheit zugewinnen auf Neues mutig und neugierig zugehen zu können.
Das
Selbstwertgefühl, was das einzelne Kind dabei entwickelt, ermöglicht ihm, sich
mit dem eigenen und dem anderen Geschlecht auseinander zu setzen und dabei ein
Stück auf dem Weg der individuellen Geschlechtsidentität zurückzulegen.
Der
Körper als Medium zum Begreifen der Welt
Die
Entwicklung der kindlichen Sexualität ist eng mit der gesamten Persönlichkeitsentwicklung
verknüpft. Kinder sind sexuelle Wesen von Geburt an. Ein Kind ist schon von Geburt
an in der Lage, körperbezogene und lustvolle Erfahrungen zu machen. Körperliche
„Lustzonen” sind nicht oder nicht vorwiegend die Sexualorgane, sondern unterschiedliche
– alters - und entwicklungsbedingt wechselnde - Körperregionen, wie Haut, Haar,
Mund, Nase, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane. Das Kind kommt mit dem ganzen
Körper zur Welt und trennt nicht zwischen Fortpflanzungsorgane, Bewegungs- und
Sinnesapparat. Jedes Kind bringt seine ganz individuelle Körperlichkeit mit, entdeckt
seinen Körper voller Selbstverständlichkeit, Neugier und spontaner Freude.
Kinder
benötigen ihren Körper, um ihre Umwelt zu erforschen, ihre Lebenswelt zu erfassen
und buchstäblich zu begreifen. Die dabei gemachten Erfahrungen und Wahrnehmungen
werden ganzheitlich erlebt und vermitteln den Kindern Wohlgefühl oder auch Unbehagen.
Kinder
die lernen, positive wie negative Formen körperlicher und emotionaler Kontakte
zu benennen, entwickeln ein stabiles Vertrauen in die eigenen Gefühlswahrnehmungen.
In
diesem Sinne umfasst Sexualerziehung Sinnesschulung – „Das Wissen über sich selbst
gibt Sicherheit”-Spiele zum Körperempfinden und zur Sinnesschulung (z.B.) Hauszeichnungen,
Tastwahrnehmungen, Phantasiereisen durch den Körper, psychomotorische Angebote
u.a. tragen zu einer Festigung des eigenen Körpergefühls ebenso bei wie Gespräche
darüber.
Die
Kinder sollen ihren Körper ganzheitlich wahrnehmen, gut über ihn Bescheid wissen,
alle Körperteile richtig benennen können, eigene Körpersignale wahrnehmen, schöne,
komische und unangenehme Gefühle erkennen, unterscheiden und äußern können. Wir
haben ein offenes Ohr für die Fragen der Kinder, geben ihnen ehrliche, kindgerechte
Antworten und nehmen sie in ihren Gefühlswahrnehmungen ernst.
Jeder
Mensch hat das Recht, über seinen Körper selbst zu bestimmen.
Kinder
sollen das Bewusstsein entwickeln: „Mein Körper ist einzigartig und gehört mir!”
Sie sollen aber auch Schamgefühle anderer Menschen respektieren, eigene Grenzen
und die der anderen erkennen und achten.
Wenn
ein Kind seinen eigenen Körper entdeckt und feststellt, „so bin ich – und dieser
Körper gehört nur mir”, so ist damit ein wichtiger Baustein für die Entwicklung
von Ich-Stärke und Abgrenzungsvermögen gelegt.
„Wie
wohl das Kind sich in seinem „Körperhaus”
ein
Leben lang fühlen wird, hängt entscheidend davon ab,
wie
es in seiner frühen Kindheit seinen Körper erleben durfte”
Barth 1984
3.8
Das Spiel in der Kindertagesstätte
Die
wichtigste Tätigkeit in der Kindertagesstätte
„Das Spiel dieser Zeit ist nicht
Spielerei, es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung... Spiele sind Herzblätter des
gesamten Lebens.“
Friedrich Fröbel
Wie in Überschrift und Zitat
zu erkennen ist, ist das Spiel der Kinder für uns keine sinnlose, zeitvertreibende
Beschäftigung, sondern die wichtigste Lern- und Lebensform der Kinder, in hohem
Maße sinnvoll und reich an Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Grund für uns, das freie Spiel
in seinen verschiedenen Formen zu fördern.
„Freies Spiel“ bedeutet, dass
die Kinder selbst bestimmen, frei entscheiden, wann sie mit wem, was, womit, wo
und wie lange spielen.
Auch wenn die menschliche Entwicklung
grundsätzlich gleich verläuft, hat doch jedes Kind seine eigene innere Uhr, die
es antreibt, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die seine Entwicklung in der
aktuellen Situation fördern. Gerade durch die vom eigenen Interesse gesteuerte
Entscheidung sind die Kinder voller Engagement. Dieses Interesse und Engagement
sind die besten Grundlagen für die weitere Entwicklung, die während des Spiels
in verschiedenen, auch für die spätere Schulfähigkeit wichtigen Bereichen möglich
ist.
Beispiel:
M (4 Jahre) und J (5 Jahre)
spielen mit der Holzeisenbahn. Alle fünf Bereiche werden gefördert.
Zuerst wird die Bahnstrecke
aufgebaut. Das ist gar nicht so einfach, - sie schaffen es dann aber doch. M und
J sind stolz. Durch diesen Erfolg wird u.a. ihr Selbstbewusstsein, ihre Ausdauer
und ihre Motivation gefördert.
Das gemeinsame Bauen zweier
Kinder mit unterschiedlichen Vorstellungen fordert und fördert Kooperationsbereitschaft,
Kontakt- und Konfliktverhalten.
Das Zusammenbauen der Schienen
erfordert gewisse feinmotorische Fähigkeiten, die noch weiter verfeinert werden.
Ohne zu sprechen ist es schwer für die beiden, sich zu verständigen. Die Sprachentwicklung
wird umfassend gefördert.
Beim gegenseitigen Erklären
der eigenen Vorstellungen, Bitten um Hilfe und im Spieldialog müssen Zusammenhänge
erklärt und verstanden, Farben, Formen und Dinge benannt und geordnet werden.
Bei diesem „simplen“ Spiel werden
alle fünf Bereiche optimal mit Spaß gefördert. So können sich die Kinder spielend
auf die Zukunft vorbereiten.
3.9
Partizipation
Hierbei handelt es sich um einen
Grundpfeiler unseres Verständnisses von Qualität in der Arbeit mit Kindern. Die
Beteiligung von Kindern an allen wichtigen, sie unmittelbar betreffenden Fragen
ist Ausdruck für Partnerschaftlichkeit und Respekt, für das Ernstnehmen der Kinder
und ihrer Interessen und Ideen.
1.
Definition
- (lat. Teilnahme) politisch- gesellschaftlicher Begriff, umschreibt die Forderung, die von Entscheidungen in Staat und Gesellschaft (Betriebe, Verbände, Schulen, Kirchen, Kindertagesstätten) Betroffenen stärker an den sie berührenden Entscheidungsprozessen teilnehmen zu lassen. Der Gedanke der Partizipation steht in engem Zusammenhang mit der Demokratisierung der Gesellschaft.
- Rechtsgrundlagen: Das Recht der Kinder auf Mitbestimmung ist international in der Kinderrechtskonzeption der Vereinten Nationen, Artikel 12 vom Nov. 98 verankert.
2.
Zukunftswerkstatt
Konkrete Utopien
Sind Kinder und Erwachsene gleichwertige Partner im Erziehungsprozess oder handelt es sich um ein einseitiges Machtgefälle? Diese Frage war für uns eine Art Prüfstein für unsere eigene pädagogische Grundauffassung. Ein Appell an Erwachsene, Kinder ernst zu nehmen, Kinder zu ermutigen, ihre Gefühle und Gedanken als wichtig zu begreifen – eine Voraussetzung für Beteiligung – ist uns ein zentrales Anliegen im Kontext unserer kindzentrierten Pädagogik.
Warum Partizipation?
Die Fähigkeiten, die Kinder
heute brauchen, um sich in ihren Lebenswelten kompetent und selbstständig bewegen
zu können, haben sich gewandelt.
Kompetenzen wie:
-
Demokratiefähigkeit erwerben
-
Verantwortliche Mitgestaltung der Zukunft
-
Lebensnahe Entscheidungen treffen können
-
Bereitschaft und Fähigkeit zur Wertschätzung des
Menschen
-
Partnerschaftlichkeit und Respektfähigkeit
-
Solidarisches Handeln, Einforderung von Recht
-
Mutige Mitbeteiligung zur Durchsetzung von Ideen
und Interessen
3. Praktizierte Partizipation
In unserer Einrichtung haben
die Kinder viele Möglichkeiten der Partizipation. Dazu gehört unter anderem die
Mitgestaltung der Räumlichkeiten, sowie die des Außengeländes. Ebenso finden täglich
Kinderforen in Form des „Kreises“ statt, bei dem Raum und Zeit für Alltagsgestaltung,
-planung und Visionen für Veränderungen zur Verfügung stehen.
Unsere Projekte und ihr Verlauf
richten sich nach den Wünschen, Bedürfnissen und Ideen der Kinder, somit wird
auch in diesem Bereich Partizipation gelebt.
Die Partizipation und die Fähigkeit
hierzu ist als wichtiger Baustein in der Identitätsentwicklung der Kinder zu beachten.
4.
Tagesablauf
Die Kindertagesstätte öffnet morgens um 06.45 Uhr. Im Frühdienst, der um 08.00 Uhr in die normale Gruppenzeit übergeht, können die Kinder den Tag ruhig beginnen. Es ist Zeit und Ruhe für Gespräche, ausgiebiges Büchervorlesen und freie Auswahl unter allen Spielmöglichkeiten. Um 08.00 Uhr gehen die bis dahin gemeinsam betreuten Frühdienst-Kinder in ihre Gruppen. Zur gleichen Zeit kommen nach und nach die anderen Kinder. Bis spätestens 09.00 Uhr sollten alle Kinder in der Kindertagesstätte sein, um sich noch gut in die Spielgruppen eingliedern zu können.
Die Zeit in der Kindertagesstätte steht den Kindern vor allem für das freie Spiel zur Verfügung, das, wie schon erläutert, optimalste und vielfältige Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Die Kinder können hier zwischen Rollenspielen (z. B. Mutter- Vater- Kind, Spiel mit Auto, Zoo), Regelspielen (z. B. Schnipp- Schnapp, Tempo kleine Schnecke, Mensch ärgere Dich nicht), Konstruktionsspielen (z. B. Bausteine, Lego, Holzeisenbahn) und experimenteller, kreativer Betätigung (z. B. Töpfern, Werken, Malen, Schneidern) auswählen.
Neben den Spielmöglichkeiten im Gruppenraum können die Kinder auch von 08.30 Uhr bis 10.00 Uhr auf dem Außengelände spielen. Hier stehen den Kindern Sandkasten mit verschiedenen Spiel- und Klettergeräten, große Wiesenfläche, Fahrradweg und Fahrzeuge und ein Wasserlauf zur Verfügung.
Im Laufe des Vormittages finden immer wieder Angebote und Aktionen mit den Erzieherinnen statt, die häufig in die Projekte der Gruppen eingebunden sind, und somit direkten Bezug zum aktuellen Gruppengeschehen haben und am Interesse der Kinder anknüpfen.
In der Halle im Erdgeschoss stehen für die Kinder Tische mit Tee, Wasser, Milch und Kakao bereit und ein Servierwagen mit Besteck. Bis 10.00 Uhr können die Kinder hier in Gemeinschaft mit den anderen Kindern der Kindertagesstätte ihr mitgebrachtes Frühstück essen. Mit dem sog. „gleitenden“ Frühstück berücksichtigen wir die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Kinder. Einige frühstücken, bevor sie gegen 09.00 Uhr in die Kindertagesstätte kommen, andere kommen um 08.00 Uhr und nehmen ihr erstes Frühstück in der Kindertagesstätte ein. Aus diesem Grunde ist ein gemeinsames Frühstück eher unangebracht.
In der Mittagszeit von 11.30 Uhr bis 13.00 Uhr können die beiden Integrationsgruppen nacheinander zu Mittagessen. Bis sie dann zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr abgeholt werden, kann noch etwas gespielt werden.
Die Kinder der Regelgruppen werden ca. von 11.45 Uhr bis 12.00 Uhr abgeholt. Einige Kinder können noch bis 13.00 Uhr im Mittagsdienst bleiben, der ebenso wie der Frühdienst ruhig gestaltet wird. Um 13.00 Uhr beginnen die Nachmittagsgruppen, deren Tagesablauf sehr ähnlich verläuft wie der der Vormittagsgruppen. Um 17.00 Uhr sind die letzten Kinder abgeholt und nur noch die Reinigungskräfte sorgen dafür, dass am nächsten Tag alles wieder frisch und sauber ist.
4.1
Feste Aktivitäten in unserem Haus
· Waffelbacken
Einmal in der Woche am Vormittag und alle zwei Wochen am Nachmittag werden mit Unterstützung der Eltern Waffeln gebacken.
In der Halle treffen sich die Kinder und Eltern sowie das Kitapersonal. Beim Waffelnessen besteht die Möglichkeit sich zwanglos miteinander auszutauschen und sich kennenzulernen. So entsteht ein gemütliches Miteinander.
· Müslitag
Auf eine gesunde Ernährung legen wir in unserer Kita großen Wert. Unter anderem bieten wir deshalb einmal in der Woche ein gesundes Frühstück, in Form des „Müslitages“ für alle Kinder am Vor- und Nachmittag an.
· Turnen
Alle Gruppen haben die Möglichkeit einmal wöchentlich zum Turnen zu gehen. Die Vormittagsgruppen nutzen die Räumlichkeiten des Sportzentrums Walsrode. Die Nachmittagsgruppen nutzen die Turnhalle der Grundschule Vorbrück.
· Wald- und Wiesenwochen
In allen Gruppen finden ein- bis zweimal jährlich die Wald- und Wiesenwochen statt.
In dieser Zeit haben die Kinder die Möglichkeit, die Natur bewusst und mit allen Sinnen zu erleben und wahrzunehmen.
Darüber hinaus finden auch, teilweise regelmäßige, Wandertage in den Gruppen statt.
· Freizeit
Die Integrativgruppen fahren einmal im Jahr auf eine mehrtägige Freizeit.
In den Regelgruppen finden Übernachtungen mit den Forumkindern oder auch der gesamten Gruppe statt.
Die Gruppen haben während dieser Zeit die Möglichkeit etwas besonderes zu erleben.
Das Gemeinschaftsgefühl und die Gruppenzusammengehörigkeit werden intensiv gestärkt. Darüber hinaus lernen die Kinder ein paar Tage ohne ihre Eltern zu sein.
5.
Formen und Planung unserer Pädagogischen Arbeit
5.1
Lebenssituationen sind Ausgangspunkt für Lernprozesse
Wir arbeiten situationsorientiert
in Projekten. Im Freispiel beobachten wir die Kinder in Spielsituationen und erfahren
so, womit und wie sie sich beschäftigen, wo ihre Kompetenzen, Probleme und Defizite
sind, wofür sie sich interessieren.
Wir greifen lebensbedeutsame
Situationen der Kinder auf und erarbeiten ein Projekt in folgenden Schritten:
1.
Die Situationsanalyse dient zur Beantwortung der
Fragen, wer und was in welcher Weise am Projekt beteiligt ist.
2.
Die Tätigkeitsstrukturanalyse ist auf ein einzelnes
Kind ausgerichtet, welches im Gruppengefüge eine besondere Unterstützung braucht.
Dadurch ist es von den Lerninhalten möglich, alle Kinder zu erreichen. Ein Projekt
beinhaltet Förder- und Lernmöglichkeiten für alle Kinder.
3.
Mit der Gegenstandsstrukturanalyse klären wir den
Schwerpunkt des Projekts, z. B. was wir erreichen wollen, welche Möglichkeiten
das Projekt bietet, um sensorische, motorische, kommunikative und emotionale Erfahrungen
zu machen, welche Bedeutung der Projektgegenstand für die Lebenssituation der
Kinder hat.
4.
Die Handlungsstrukturanalyse zeigt die Aktivitäten,
die einzelnen Beschäftigungen mit methodischen und didaktischen Überlegungen auf,
welche Aktivitäten ich in welcher Weise durchführe.
5.
Die Dokumentation schildert alle Projektstationen.
Es können unterschiedliche Formen gewählt werden, z.B. einzelne Arbeitsschritte
durch Fotos aufzeigen, das gesamte Projekt
in Tagebuchform schreiben oder eine Projektzeitung verfassen.
Unerlässlich
ist, dass die Dokumentation ohne Bewertung, also neutral, das Projektgeschehen
wiedergibt.
6.
Durch die Reflexion setzen wir uns kritisch mit dem
gesamten Projekt auseinander. Wir müssen z. B. folgende Fragen beantworten:
-
Sind unsere Ziele ganz oder teilweise erfüllt?
-
Welche Probleme traten auf, woran lag das?
-
Was hätte besser oder anders gemacht werden können?
-
Welche Konsequenzen haben die Erfahrungen für das
Kind und für die Einrichtung?
5.2
Reggio
Reggio
ist ein pädagogisches Modell. Es wurde in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia
von Vorschulkindern, Pädagogen/innen, Eltern, Großeltern und Bürgern entwickelt.
Es wird dort auch praktiziert und gelebt.
Seit
einigen Jahren begleitet uns dieses Modell. Wir wurden in verschiedenen Fortbildungen
an diese Art mit Kindern zu leben herangeführt. Teile von Reggio sind allgegenwärtig
geworden.
Wir
heißen Kinder, Mitarbeiter/innen, Eltern und Besucher herzlich willkommen.
Die
Cafeteria ist das Zentrum unseres Hauses. Hier finden alle gleichermaßen ihren
Platz und treten in Kommunikation. Es besteht die Möglichkeit jedem Menschen zu
begegnen.
Die
Gruppenräume regen durch Impulse zum Forschen und zu Ideen an. Wir versuchen,
Anregungen durch eine spannende Umgebung zu schaffen. So gibt es hier neben vielen
Spiegeln, die der Selbstentdeckung und Wahrnehmung dienen, auch echtes Werkzeug
und nicht nur Möbel einer Kindertagesstätte. Ein weiterer wichtiger Gegenstand
eines jeden Gruppenraumes ist ein offenes Regal mit anregenden Materialien, die
für die Kinder frei zugänglich sind.
Die
Wände sprechen. Sie sind die Dokumentation von Projekten und machen unseren Alltag
in der Kindertagesstätte transparent. Hierzu werden Fotos und Collagen hergestellt.
Zu
den Räumen in der Kindertagesstätte gehört auch die Umwelt, wie zum Beispiel der
Garten, der Wald, die Stadt, Krankenhaus, Feuerwehr und die Arbeitsplätze der
Eltern.
Ein
Kind hat hundert Sprachen- damit ist gemeint, dass jedes Kind auf eigene und kreative
Weise seinen Eindrücken über die Welt Ausdruck verleiht. Das Kind bestimmt des
Tempo seiner Entwicklung und die Umsetzung eigener Ideen.
Wir
müssen Veränderungen (gesellschaftliche sowie familiäre) wahrnehmen und mit ihnen
umzugehen wissen. Es liegt an uns, eine Umwelt zu schaffen, die Kinder fasziniert.
Wir
Mitarbeiter/innen der Kindertagesstätte Vorbrück beobachten die Kinder, um ihre
Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen, erkunden die Umwelt, um erreichbare Ziele
für die Kinder herauszufinden, stellen Möglichkeiten für unterschiedliche Erfahrungen
bereit, planen und dokumentieren Projekte und überdenken immer wieder gemeinsam
oder auch individuell unser Handeln.
5.3
Alterserweiterung
Wir
sehen in der Alterserweiterung die Wichtigkeit und die Chancen einer gemeinschaftlichen
Betreuung
Warum
ist Alterserweiterung wichtig?
Die Betreuung von Kleinst- und
Kleinkindern ist mehr als ein Notbehelf. Sie ist eine positive Unterstützung der
Entwicklung. Nicht der Versorgungsaspekt steht im Vordergrund, sondern Lern- und
Entwicklungsaspekt = Qualität.
Entwicklungsunterschiede innerhalb
einer Altersgruppe fallen weniger ins Gewicht.
z. B. bei Behinderungen, dies
findet sich auch im Gedanken der Integration wieder. Die alterserweiterten Gruppen
bieten geschwisterähnliche Situationen, in denen sich Größere um die Kleinen kümmern,
ohne „Hilfserzieher“ zu sein. Orientierungsmöglichkeiten innerhalb der Gruppen
werden durch spezielle Situationen, die durch Altersunterschiede entstehen, eher
erkannt. Durch das größere Spektrum an parallelen Entwicklungsstadien, Fähigkeiten
und Interessen ist die Umgebung anregungsreicher.
Voraussetzung bzw. Bedingung
für Qualität bei der Altersmischung sehen wir in folgenden Punkten:
-
Altersangemessene und differenzierte Angebote und
Aktivitäten für alle Kinder
-
Kooperation und gemeinsame Verantwortlichkeit innerhalb
des Teams
-
Kooperation der Familie und Kindertagesstätte
-
Rückzugsräume mit entsprechender Gestaltung für die
Kleinen ebenso wie für die Großen
-
Die Planung der Angebote und Aktivitäten gemeinsam
mit den Kindern
-
Kleingruppenarbeit
-
Wechselnde Zusammensetzung der Kleingruppen
-
Gutes Mischungsverhältnis, nicht nur der Altersgruppen,
sondern auch bezogen auf Jungen und Mädchen, damit für alle Kinder genügend Auswahl
an Spielpartnern möglich ist
Grundstrukturen in der Alterserweiterung
unter 3 Jahren, die für uns Priorität haben:
-
Individuelle Aufnahmegespräche
-
Erfragen der Erwartungen und Wünsche der Eltern bei
der Neuaufnahme und Einbeziehung in unsere Arbeit
-
Einzelgespräche führen, zum Informationsaustausch
-
Eingewöhnungsphase (Erfragen von Bedürfnissen, Wünschen,
Ritualen und Vorlieben des Kindes zur sanfteren Gewöhnung an die neue Umgebung)
-
Eine feste Bezugsperson übernimmt die Betreuung während
der gesamten Eingewöhnungszeit von ca. 3-4 Wochen, wobei individuelle Abweichungen
möglich sind.
-
Rituale sind der rote Faden durch den Tag (z. B.
im kindzentrierten Gesprächs- und Begegnungskreis, beim gemeinsamen Mittagessen,
der Körperpflege etc.)
Rituale ermöglichen Kindern
emotionale Sicherheit und Zuwendung, z. B. auch über Körperkontakte.
5.4
Interkulturelle Erziehung
Interkulturelle Erziehung ist
kein neuer Teilbereich in der Pädagogik wie Verkehrserziehung, sondern läuft quer
zu allen pädagogischen Bereichen und muss als durchgängiges Lernziel betrachtet
werden.
Interkulturelles Lernen ist
ein Lernen und Aufeinanderzugehen von allen, die innerhalb einer Gesellschaft
aufwachsen und leben. Interkulturelles Lernen ist vor allem soziales Lernen, durch
Toleranz und Akzeptanz die vielfältigen Kulturen als Bereicherung zu verstehen
und die eigene Kultur als eine von vielen Möglichkeiten zu sehen.
Ein weiterer Schwerpunkt der
interkulturellen Erziehung ist es, die Sprachkompetenzen der Migrantenkinder zu
fördern.
Um ihnen Integrationschancen
zu ermöglichen, ist eine gezielte Sprachförderung nötig, denn ohne ausreichende
Deutschkenntnisse würden die Kinder z.B. nicht eingeschult.
Zur Sprachförderung haben wir
das Projekt: „Spielend Deutsch lernen“ entwickelt und arbeiten seit dem Frühjahr
2001 danach.
Um erfolgreich und kontinuierlich
arbeiten zu können, haben wir eine pädagogische Fachkraft eingestellt. Die Sprachförderung
findet vier Stunden pro Woche statt, wo in Kleingruppen mit zwei bis drei Kindern
gearbeitet wird. Die Lehrinhalte der Sprachförderung werden in den Gruppenalltag
übertragen und dort aufgegriffen.
Die Kinder sprechen in der Kindertagesstätte
deutsch und zuhause ihre Muttersprache. Die Muttersprache ist wichtig und ist
die Grundlage zum Erwerb der Zweitsprache.
Unseren ersten Erfolg haben
wir 2002 erzielt, wo alle Migrantenkinder eingeschult wurden.
Eine gemeinsame Sprache dient
der Verständigung. Damit sie auch eine Alternative wird, muss jene eine stärkere
Bedeutung erhalten.
Wir sprechen die gleiche Sprache:
-
wenn uns demokratisches Denken und Handeln bewegt,
-
wenn Rassismus und Fremdenfeindlichkeit keine Chance
haben
Diese Sprache ist eine weltweite
Sprache. Sie wird in der Sehnsucht nach Frieden überall verstanden und berührt
fundamental die Menschenrechte.
Der Mensch zählt als Mensch,
unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion und sozialer Kultur.
5.5
Integration
Integration wird nötig, weil
es Ausgrenzung gibt. Ausgrenzung von Behinderten, Leistungsschwächeren, Stillen,
Schwierigen, besonders Klugen, Hässlichen, Wiederborstigen, von allen, die anders
sind als die Mehrheit es für „normal“ hält.
Schnell
geraten Kinder in irgendeine Sonderschublade, weil die Institutionen sie in bestimmte
Kategorien einsortieren. Insbesondere Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen
wurden bislang noch häufig in Sondereinrichtungen abgeschoben. Die gemeinsame
Erziehung und Bildung aller Kinder in konventionell arbeitenden Kindertagesstätten
und Schulen ihrer Nachbarschaft ist trotz langjähriger Bemühungen und mittlerweile
rechtlicher Grundlagen noch immer nicht selbstverständlich.
Ängste und Abwehr bestehen auf
allen Ebenen weiterhin. Prinzipiell müsste für jedes Kind die Möglichkeit bestehen,
in einer wohnortnahen Einrichtung einen Platz seiner Wahl zu bekommen.
Wir halten das Zusammenleben
und die gemeinsame Erziehung von Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen
und Bedürfnissen für erstrebenswert und zukunftsweisend.
In unserer Kindertagesstätte
arbeiten wir seit August 1993 integrativ.
Wie kam es dazu?
Im
Haus war eine Sonderkindergartengruppe der Lebenshilfe untergebracht. Durch gemeinsame,
gruppenübergreifende Angebote wie z. B. Schwimmen, Reiten, musikalische Erziehung,
Kreis- und Singspiele sowie auch über das Freispiel ergaben sich intensive Kontakte
unter Kindern. Die pädagogischen Erfahrungen
in dieser Phase zeigten unserem Team, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Wir
beschlossen, aus dem Kooperationsmodell mit der Lebenshilfe zwei integrative Gruppen
bei der Bezirksregierung zu beantragen.
Nach 10 jähriger Praxiserfahrung
können wir heute sagen, dass nichtbehinderte Kinder ebenso wie behinderte Kinder
von der Integration profitieren. Sie lernen ganz selbstverständlich, dass Menschen
verschieden sind, entwickeln weniger Berührungsängste gegenüber Behinderungen,
leben unbefangener mit dem „Anders sein“ und können auch eigene Besonderheiten
eher akzeptieren. Kinder orientieren sich eher am Größeren, Stärkeren, Mutigen
und Überlegenen. Sie suchen sich ihre Freunde dort, wo sie ihresgleichen finden,
wo es spannend für sie ist, wo sie sich messen können. In Integrationsgruppen
ist dies nicht anders als in anderen Kindergruppen.
Behinderte Kinder können auch
hier ausgegrenzt werden. Das bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Es ist wichtig
und notwendig, dass die Erwachsenen, d. h. die Erzieherinnen sich einmischen und
Spiel- und Aktionsangebote machen, die ein gemeinsames Tun ermöglichen.
Die Gruppenstärke der Integrativ
– Gruppen beträgt insgesamt 18 Kinder, davon haben 4 Kinder eine Behinderung.
Die I-Gruppen verfügen über
zusätzlich heilpädagogisch und therapeutisch ausgebildetes Personal um eine adäquate
Förderung für jedes Kind zu ermöglichen.
Jedes Kind wird da abgeholt, wo es in seiner
Entwicklung steht.
5.6 Die sprachheilpädagogische
Arbeit in unserer Kindertagesstätte Vorbrück
Sprechen
lernen geschieht nicht als passiver Reifungsprozess biologisch angelegter Fähigkeiten.
Es ist ein aktiver Prozess des Kindes, das sich auf dem Weg zur Sprache befindet.
Das Kind lernt die Sprache in der Interaktion mit Erwachsenen und Kindern. Es
benötigt Sprachvorbilder, um Sprache zu erlernen. Hierbei muss die Sprache als
bedeutsam erlebt werden. Es muss erlebt werden, dass mittels Sprache Ziele erreicht
werden können. Fortschritte in der Sprachentwicklung gehen einher mit Fortschritten
in der sozialen und kognitiven Entwicklung des Kindes.
Aufgabe
und Ziel der sprachheilpädagogischen Betreuung von Kindern mit Sprachauffälligkeiten
in einer Kindertagesstätte ist es, die kindliche
Sprachentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Hierzu muss
eine Umgebung geschaffen werden, die anregend für das Sprechen lernen ist. Neben
der gezielten Sprachförderung der einzelnen Kinder, muss der sprachliche Austausch
so gestaltet werden, dass das Sprechen lernen erleichtert wird. Die integrative
Betreuung von Kindern mit und ohne Sprachauffälligkeiten in unserer Kindestagesstätte
hat den Vorteil, dass sprachauffällige Kinder auf kindliche und erwachsene Sprachvorbilder
treffen. Der o.g. Aufgabe stellt sich unsere
Kindestagesstätte durch:
·
die unterstützende
Begleitung durch heilpädagogische und pädagogische Fachkräfte
·
strukturierte gemeinsame
Handlungen und Situationen, die sich an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder
orientieren und anregend für das Sprechen lernen sind
·
spezifische Sprachförderung
·
interdisziplinäre
Zusammenarbeit
·
Elternarbeit
Sprachtherapie
als Einzeltherapie beinhaltet immer eine Besonderung des betroffenen Kindes. Dieser
Aspekt wird bewusst von Therapeuten- und Erzieherseite dadurch gemildert, dass
nach Möglichkeit und Wunsch auch Freunde des Kindes an den Therapien teilnehmen
können, dass Therapieinhalte in der Gruppe wiederholt werden und dass im Morgenkreis
allgemeine sprachliche Unterstützungsangebote ihren Raum haben.
Derzeitiger
Status der sprachheilpädagogischen Versorgung
Die
sprachtherapeutische Versorgung richtet sich schwerpunktmäßig an die Kinder mit
besonderem Förderbedarf aus den zwei integrativen Gruppen unserer Kindertagesstätte.
Falls Kapazität vorhanden ist, kann das Therapieangebot zusätzlich auf Kinder
aus dem Regelbereich ausgeweitet werden.
Die
Sprachtherapie wird derzeit von zwei Diplom-Sprachheilpädagoginnen durchgeführt.
Sie sind jeweils versetzt an einem Vormittag pro Woche in der Kindertagesstätte
tätig. Diese Form der Tätigkeit bedingt, dass keine tägliche Verfügbarkeit der
Therapeutinnen besteht. Folgende Punkte garantieren jedoch ein hohes Maß an interdisziplinärem
Informationsaustausch:
Die
durchgeführten Therapien, der Schwerpunkt und die spezifischen Inhalte der Therapie
sowie Verbesserungen, besondere Vorkommnisse und auch Schwierigkeiten, werden
von den Sprachheilpädagoginnen dokumentiert. Diese Dokumentationen verbleiben
in den Integrationsgruppen und dienen als Informationsquelle.
Zudem
nehmen die heilpädagogischen Fachkräfte der integrativen Gruppen vierzehntägig an den Sprachtherapien der Kinder
ihrer Gruppe teil. Sie erwerben somit ein Wissen über den sprachlichen Status
der Kinder, über Therapieschwerpunkte und -inhalte. Dieses Wissen wird an die
weiteren pädagogischen Fachkräfte der Integrationsgruppen weitergegeben und kann
in Elterngesprächen eingebracht werden. Darüber hinaus finden Absprachen zwischen
den Sprachheilpädagoginnen und den heilpädagogischen Fachkräften statt, in welcher
Form die jeweiligen Kinder in der Gruppe, Kleingruppe oder im Einzelkontakt außerhalb
der spezifischen Therapieeinheit unterstützt werden
können.
Alle
acht Wochen findet eine gemeinsame Dienstbesprechung statt, an der die Leiterin
der Kindertagesstätte, die pädagogischen Fachkräfte der Integrationsgruppen, die
Krankengymnastin und die Sprachheilpädagoginnen teilnehmen. Im Rahmen dieser Dienstbesprechungen
werden aktuelle Fragen geklärt, Fallbesprechungen durchgeführt, sowie neue Materialien
und Fachliteratur vorgestellt.
Elternarbeit
Begründet in dem Selbstverständnis einer pädagogisch-handlungsorientierten
Sichtweise der Sprachtherapie besitzt die Zusammenarbeit mit den Eltern einen
hohen Stellenwert. Ziel ist, dass die gesamte Umgebung des Kindes, sowohl die
häusliche als auch die institutionelle, so gestaltet wird, dass sie anregend für
den Spracherwerb
ist.
Entscheidend für eine gute Zusammenarbeit und den Erfolg
der Sprachtherapie sind mehrere Punkte: Das Verhältnis zwischen Eltern und Fachkräften
sollte von Offenheit und Respekt geprägt sein. Eltern sollten durch fachliche
Unterstützung in der Lage sein, die sprachlichen Fähigkeiten und die sprachlichen
Einschränkungen ihres Kindes erkennen zu können. Sie sollten über die Grundlagen
des Spracherwerbs informiert werden und förderliche als auch hinderliche Bedingungen
für den Spracherwerb kennen lernen, um erstere in ihren Alltag integrieren zu
können. Die Sprachtherapie ihres Kindes sollte für sie transparent sein. D.h.
sie sollten über Therapieinhalte, sprachliche Veränderungen und die Mitarbeit
ihres Kindes in der Therapie informiert sein.
Wie
gestaltet sich nun konkret die Zusammenarbeit mit den Eltern?
Zu
Beginn der Sprachtherapie werden in einem Gespräch zwischen Eltern und Sprachtherapeutin
wichtige Informationen hinsichtlich der allgemeinen und sprachlichen Entwicklung
des Kindes ausgetauscht sowie von seiten der Sprachtherapeutin
Informationen zum Spracherwerb und zu den Rahmenbedingungen der Therapie
gegeben. Auch über dieses Erstgespräch hinaus besteht die Möglichkeit zu weiterem
Informationsaustausch. Hier können sich die Eltern an die heilpädagogischen und
pädagogischen Fachkräfte oder an die Sprachheilpädagoginnen wenden.
Auch
gemeinsame Gespräche zwischen Eltern, der Leiterin unserer Kindertagesstätte,
heilpädagogischer Fachkraft, Krankengymnastin und Sprachheilpädagogin sind möglich.
Sie werden z.B. durchgeführt, wenn die Einschulung eines Kindes naht und Empfehlungen
für eine geeignete Schulform gegeben werden sollen.
Zudem
findet einmal im Jahr ein Elternabend zum Themenkomplex Sprache - Spracherwerb
- Sprachstörungen - Sprachtherapie statt.
5.7
Bewegung
Die Bewegung ist ein Grundphänomen
menschlichen Lebens! Bewegung heißt Entwicklung und Vorankommen.
Kind
und Bewegung
Die Bewegungsentwicklung beginnt
bereits im Mutterleib. Der Begriff Bewegung beinhaltet äußerliche wie auch innere
Zustände wie z. B.
-
laufen, springen, gehen, stehen, essen, usw. (äußerlich)
-
Gefühle, Herzschlag, Lunge, Atmung, Blut, usw. (innerlich)
Kinder haben einen natürlichen
Drang nach Bewegung, dadurch treten sie in Kontakt zu ihrer Umwelt.
Durch Bewegung im Spiel erfahren
Kinder den Raum, die Zeit und den Krafteinsatz eines Spieles.
Zum Beispiel beim Spiel Hinkestein:
-
Wie viel Raum zum Hüpfen und Springen habe ich?
-
Wie ist die Form und Beschaffenheit des Raumes?
-
Wie teile ich meine Kraft ein, um mein Ziel zu erreichen
oder einen Sprung zum nächsten Kästchen zu wagen?
-
Wie lang habe ich Zeit bis zum nächsten Sprung?
-
Wie lang kann ich auf einem Bein stehen?
Dieses Beispiel zeigt, dass
es sehr viele Überlegungen braucht, um ein Spiel oder eine Bewegung auszuführen.
Die Ausbildung eines jeden einzelnen Gedankenschrittes fördert die geistige Entwicklung
und ist somit ein Grundstein des logischen Denkens.
Bewegung
und Spiel
Mit der Bewegung kommt das Spiel,
das dem Kind mehr Ausdrucksmöglichkeiten bietet, um sich und seinem Gemütszustand
Ausdruck zu verleihen.
Durch das Spielen werden die
Bewegungen gezielter eingesetzt. Nicht allein die Hände werden eingesetzt, sondern
auch die Füße, Arme, Beine, der Po und der Rumpf.
Gruppenräume
Die Gruppenräume unserer Kindertagesstätte
sind so eingerichtet, dass sie ein Höchstmaß an Bewegungsmöglichkeiten für die
Kinder bieten.
Durch verschiedene Spielebenen
(Podeste), Spielorte (Höhlen, Leseecke, Atelier, Werkbank, Waschraum, Verkleidungsecke)
und projektbezogene Spielorte wie z. B. die Ritterburg entstehen vielfältige Möglichkeiten,
dem Gruppenraum einen Aufforderungscharakter zum Spielen zu geben. Wichtig ist
auch für uns, den Mut zu besitzen, die Inneneinrichtung der Gruppenräume mehrmals
im Jahr umzustellen. Wir möchten damit erreichen, dass wir den jeweiligen Bedürfnissen
der Kinder gerecht werden.
Außengelände
Unser Außengelände befindet
sich in ständiger Weiter-Entwicklung. Nach dem neuen Kletterturm entstanden der
Fahrrad-Parcours, neue Beete und eine Trockenmauer. Das Ganze umrahmt eine parkähnliche
Landschaft.
Das Außengelände beherbergt
verschiedene Spielschwerpunkte:
-
Große Sandkiste mit Kletterturm, Wippe, Rutsche,
Kletterstangen und Spielhaus
-
Große Rasenflächen
-
Fahrradwege mit Fahrradhaus
-
Beete und Trockenmauer
-
Einen Garten
-
Einen Bachlauf
Durch die großzügige Anlage
können die Kinder zwischen Spielorten, mit einem ruhigen oder lebhaften Charakter
wählen.
Turnhalle
Regelmäßig einmal wöchentlich
(Regelgruppen) bzw. alle zwei Wochen (Integrative Gruppen) gehen wir mit den Kindern
zum Turnen. Dort wird uns die Möglichkeit gegeben, noch andere Bewegungsfelder
zu schaffen!
Als Beispiel die Bewegungsbaustelle:
Bewegungsraum oder Gelände mit
veränderlichen Bewegungselementen zum Klettern, Balancieren und Springen. Diesen
Raum können die Kinder selbstständig und aktiv nutzen und evtl. umfunktionieren.
Es werden (z. B.) Balken, Kisten, Bänke, Matten, Reifen, Leitern, Schaukeln, Rutschen
und das Klettergerüst genutzt.
Weitere Spiel- und Bewegungsmaterialien
wie Rollbretter, Seile, Riesenbälle, Schwungtuch, Strickleiter, Kriechtunnel,
Pedalo kommen zum Einsatz.
Eine Bewegungsbaustelle ist
immer individuell und an den Bedürfnissen der Kinder orientiert.
5.8
Die krankengymnastische Versorgung in unserer Kita
beobachten, beurteilen, beraten
und fördern
Durch die Ganztagsanwesenheit der Therapeuten ist eine optimale Bewegungs- förderung möglich. Die Grundlage für alle Fördermaßnahmen ergibt sich aus dem Befund der gemeinsamen Beobachtungen und Tests, der Therapeuten und die der qualifizierten Fachkräfte.
Die Therapieangebote fließen
in die Ganztagsbegleitung, in Alltagssituationen, in Gruppenrituale und in die
Projektarbeit mit ein. Einzelarbeit, Kleingruppen, sowie Gesamtgruppenangebote
unterstützen die Therapieerfolge.
Therapeut und pädagogisches
Fachpersonal arbeiten Hand in Hand. Hieraus resultiert eine transparente Therapie
d.h. therapeutische Interventionen können vom pädagogischen Fachpersonal ( Heilerzieher)
in der therapiefreien Zeit übernommen werden. Gleichzeitig fließen pädagogische
Schwerpunkte in die therapeutische Arbeit mit ein.
Im Zuge des Kompetenztransfers
erfahren die Integrativ – Kinder sowie die Regelkinder eine optimal gezielte Bewegungsförderung,
durch Spiele und im Spiel immer wieder neu verpackter Angebote z.B. Kräftigung
und Dehnung der Muskulatur, Muskelaufbau besonders im Rumpf – und Fußbereich,
Tonusregulierung.
5.9
Fit für die Schule
Der Bildungsauftrag in der KITA
besteht über die gesamte Zeit des KITA Besuches, also nicht nur für das letzte
Jahr vor dem Schuleintritt.
Die Besonderheiten der pädagogischen
Arbeit zur Schulvorbereitung finden zwar zeitlich im letzten Jahr statt, sind
aber logische Fortsetzung und integrierter Bestandteil des Gesamtkonzeptes der
KITA.
In diesem Sinn ist die gesamte
Vorschulzeit auch „schulvorbereitende Zeit“.
Lernen in der KITA unterscheidet
sich in vielerlei Hinsicht vom Lernen in der Schule.
-
In der KITA kommt es nicht maßgeblich darauf an,
bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten in einem bestimmten Zeitraum zu erzielen.
-
Lernen in der KITA lässt Raum für individuelle Entwicklungsunterschiede,
Bedürfnisse, Möglichkeiten und Interessen der Kinder.
-
Das soziale Lernen hat Vorrang vor dem sachbezogenen
Lernen.
-
Die altersgemischten Gruppen ermöglichen besonders
viele Erfahrungen hinsichtlich des sozialen Lernens.
-
Die pädagogische Arbeit in der KITA unterstützt die
Förderung der Gesamtpersönlichkeit der Kinder in allen Bereichen und ist nicht
auf eine einseitige Förderung im kognitiven Bereich ausgerichtet.
Die KITA ist somit nicht der
Ort, an dem die Kinder in erster Linie kognitiv gefördert werden, vielmehr werden die Grundlagen für schulisches
Lernen erweitert. Durch Angebote und Anregungen der Erzieher wird der Neugierde
und der Wissensdrang der Kinder gepflegt und gefördert.
Der spätere Erfolg des schulischen
Lernens hängt davon ab, inwiefern die Kinder Neugierde, Motivation und Erfolge
realisieren können, um so einen dauerhaften Spaß am Lernen zu entfalten.
Die fünf- bis sechsjährigen
Kinder haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach körperlicher Bewegung. Sie genießen
es, mit dem Fahrrad oder dem Roller zu fahren und sich so neue Freiräume zu erobern. Allerdings zeigen sie
sich in ihrem Bewegungsdrang vielfach sehr widersprüchlich. Manchmal strotzen
sie vor Kraft und Energie, dann wirken sie aber auch müde und passiv. Sie trödeln
herum, ohne sich konzentriert und dauerhaft zu beschäftigen.
Die Entwicklung der Feinmotorik
nimmt zu. Viele Kinder können schon ihren Vornamen schreiben.
Es wächst das Bedürfnis, Neues
zu erfahren und Zusammenhänge zu erforschen. Neugierde und Experimentierfreude
nehmen zu.
Auf der anderen Seite langweiligen
sich die Kinder in dieser Zeit oft.
Die Kinder zeigen sprachliche
Kreativität, in dem sie ganz neue Wörter und Wortkombinationen erfinden. Sie zeigen
viel Interesse an Reimen und Rätseln.
In diesem Alter ist der seelische
Zustand der Kinder, ähnlich wie in der Pubertät, vielfach labil. Sie neigen zu
ausgeprägten Stimmungsschwankungen.
Die Kinder streben nach mehr
Eigenständigkeit und Selbstständigkeit und brauchen dabei stets die Gewissheit,
geliebt und angenommen zu sein, um sich aus dieser Sicherheit heraus die Welt
erschließen zu können.
Die Kinder suchen jetzt verstärkt
nach Außenkontakten, Sie suchen die Nähe anderer Kinder, wollen spielen, ihre
Kräfte messen und sich unbeobachtet vor Erwachsenen bewegen. Sie bauen sich Höhlen
und Nischen in den Büschen und bilden Banden. Aus Spielbeziehungen werden allmählich
Freundesbeziehungen.
Zusammenfassung
Viele Verhaltensweisen fünf-
bis sechsjähriger Kinder, die vordergründig irritieren, sind Ausdruck eines Reifeprozesses,
der für die Kinder notwendig ist, um eigene Identität und Ich-Stärke zu entwickeln.
Das Kind ist jetzt besonders
auf das Verständnis von Eltern und Erzieherinnen angewiesen. Es braucht die Liebe,
das Verständnis und die Akzeptanz der Erwachsenen um diese Entwicklungsphase unbeschadet
zu durchlaufen und so viele positive Erfahrungen,
wie nur möglich zu sammeln.
Schulvorbereitende Tätigkeiten
in der Kindertagesstätte
In unserer Kita beginnen wir
ein Jahr vor der Einschulung mit intensiver Vorbereitung auf die Schule. Diese
Kinder nennen wir Forumkinder.
Folgende schulvorbereitende
Tätigkeiten finden dazu statt.
-
Liste mit Namen der schulpflichtigen Kinder zusammenstellen
-
Bildung der zeitlich immer wieder zusammenkommenden
Forumkinder-Projekte (gruppenübergreifend)
-
Entwicklungstand der Kinder beobachten und erfassen
-
Reflexion der Erzieher über die Schulkinder
-
Markante Entwicklungsschritte oder –defizite stichwortartig
festhalten
-
Elterngespräche
-
Forumkinder erkunden den Schulhof und das Schulgebäude,
erleben die große Pause mit. Kinder nehmen am Unterricht teil
-
Zukünftige Lehrer kommen in die Kindertagesstätte
-
Erzieher gehen und üben gemeinsam mit den Kindern
den Schulweg
-
Infowände über Schule und die Projekte
-
Übernachten mit Schulkindern
-
Abschlussfeier
Zusammenarbeit
mit Schule und Eltern
Nicht nur das Kind muss sich
der neuen Herausforderung Schule stellen, auch die Eltern werden in diesen Prozess
mit einbezogen. Sie erleben, wie auf einmal ihre eigene, längst vergangene Schulzeit
in der Erinnerung wieder belebt wird.
Der Eintritt in die Schule ist
ein wichtiges Ereignis im Leben eines Kindes. Die meisten freuen sich darauf und
bringen oft schon Wochen vorher ihren Ranzen in die KITA.
Besuche im Schulunterricht und
auf dem Schulhof helfen, Unbekanntes kennen zu lernen und die Kinder nach und
nach mit der Schule vertraut zu machen.
Der Übergang gelingt dem Kind
am besten, wenn KITA, Grundschule und Eltern eng zusammenarbeiten. Jeder bringt
sein Wissen über das Kind ein und gemeinsam kann überlegt werden, welche Projekte,
Erfahrungen und Hilfestellungen noch nötig sind.
6.
Zusammenarbeit
6.1
Teamarbeit
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
In unserem Team arbeiten heißt
für uns: nicht allein zu arbeiten. Wichtig sind hierbei generelle Grundkategorien:
Zeit, Raum, Erfahrung, Praxis, Verantwortung und Vertrauen.
Diese
Felder bedeuten in der Umsetzung unserer Arbeit folgendes:
-
Kommunikation und Kooperation
-
Offenheit und Vertrauen
-
Verantwortlichkeit und kritische Rückmeldungen
Wir haben gemeinsame Aufgaben
und gemeinsame Ziele. Die Aufgaben sind komplex und erfordern vielseitige Kompetenzen.
Sie werden arbeitsteilig, aber vernetzt im gesamten Team gelöst. Zur Arbeitseinteilung
gehören unterschiedliche Funktionen und Rollen. Es gibt wechselseitige Abhängigkeiten
und gegenseitige Verantwortung (z. B. bei gruppenübergreifenden Projekten, Forum,
Festen und Feiern...).
Das Ziel wird gemeinsam erreicht.
Unser Kindertagesstätten-Team
ist täglich mit den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels konfrontiert.
Das einzelne Teammitglied hätte Mühe, das alles zu berücksichtigen. Das ganze
Team braucht die Fähigkeit der Kommunikation und der Kooperation. Dadurch finden
wir gemeinsam Antworten auf die täglichen Fragen.
Voraussetzungen sind:
-
Klare Kompetenzbereiche und Zuständigkeiten
-
Gemeinsame Qualitätsstandards für unsere Kindertagesstätte
entwickeln
-
Stil des Hauses gemeinsam repräsentieren
-
Regelmäßige gemeinsame Reflexion der Arbeit
-
Regeln absprechen und einhalten
-
Sich amüsieren, Spaß haben
-
Gegenseitige Unterstützung
-
Wünsche und Interessen ebenso wie Ängste und Unsicherheiten
des Teams ernstnehmen und in angemessener Form darauf reagieren.
Für uns ist Professionalität
und Kompetenz auf fachlicher wie persönlicher Ebene unerlässlich. Um den Anforderungen
gerecht zu werden, müssen auch wir uns permanent weiterentwickeln.
6.2
Eltern im Kindergarten
Eine konstruktive und partnerschaftliche
Zusammenarbeit zwischen den Eltern und der Einrichtung (Kindertagesstätte / dem
Team) ist ein grundlegendes Element unserer pädagogischen Arbeit im Rahmen der
Betreuung, Bildung und Erziehung der Kinder.
Unter diesem Aspekt bieten wir
vielfältige Formen der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern an:
-
Gespräche bei der Anmeldung des Kindes, erste Informationen
-
Informationselternabend vor Beginn des Kindergartenjahres
-
Elternwahlparty zur Wahl der Elternvertreter. Die
Elternvertreter fungieren als Bindeglied zwischen Eltern und Erziehern.
-
Regelmäßige Gruppenelternabende
-
Themenbezogene Elternabende, auch gruppenübergreifend
-
Tür- und Angelgespräche beim Bringen und Abholen
der Kinder dienen zum Austausch wichtiger Informationen
-
Elterninformationsbriefe und Aushänge informieren
aktuell
-
Dokumentation unserer pädagogischen Arbeit durch
Fotos und Texte
-
Regelmäßig stattfindende Informationsgespräche (Infotag)
in den einzelnen Gruppen
-
Regelmäßige Elterneinzelgespräche, bei Bedarf auch
fachliche Beratung
-
Unterstützung durch die Eltern bei der Planung und
Mithilfe bei der Gestaltung bzw. Umgestaltung der Räumlichkeiten und dem Außengelände
der Kindertagesstätte
-
Hilfestellung in der Zusammenarbeit mit Behörden,
Ämtern und Ärzten durch Begleitung und Berichte
Durch unsere Transparenz in
der Zusammenarbeit mit Eltern wollen wir ein partnerschaftliches und vertrauensvolles
Miteinander von Eltern und Erziehern erreichen. Denn nur gemeinsam schaffen wir
die optimalen Entwicklungsbedingungen für unsere Kinder!
6.3
Unsere Kindertagesstätte im Gemeinwesen
Öffentlichkeitsarbeit
in unserer Kindertagesstätte
Unsere Kindertagesstätte ist
ein Ort des gemeinschaftlichen Lebens! Die Einrichtung zu öffnen ist für uns ein
wichtiges Qualitätsmerkmal.
Öffnung der Einrichtung nach
innen und außen bedeutet für uns, die eigene Arbeitsqualität zu erhalten, auszubauen
und zu erweitern. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem gesamten Team, Eltern,
Fachpersonal, Wissenschaftlern und allen Menschen, die an der Zukunft von Kindern
interessiert und damit befasst sind.
Die Öffnung der Einrichtung und der Arbeit für die Welt außerhalb ist wichtig für die Kinder, um sich in Beziehung zu ihrem sozialen Umfeld zu setzen. Sie ist aber auch wichtig für uns als Werbung in eigener Sache. Wir stellen unsere Arbeit und damit auch die Bedeutung dessen, was wir tun, dar. Öffnung heißt über den eigenen Tellerrand zu schauen und Einfluss zu nehmen auf die Sicherung und Verbesserung von dem Standard in der Arbeit. Öffnung bedeutet auch die Einbeziehung des sozialen Umfeldes und das Knüpfen nachbarschaftlicher Kontakte. Ebenso einen regelmäßigen Austausch mit der Schule und anderen Institutionen, die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven und Grundlinien in der Arbeit mit Kindern.
6.4
Generationsbegegnungen in unserer Kita
Jung und Alt begegnen sich in unserer Kita.
So lernen die Kinder auch andere
Lebensformen besser kennen, weil nur ein gelebtes Miteinander den Zusammenhalt
zwischen den Generationen erhält.
Insbesondere für unsere Kinder,
die ohne weitere familiäre Netze aufwachsen, und für allein lebende ältere Menschen
eröffnen sich damit Formen sozialen Lernens.
Unsere Zusammenarbeit ist mit
dem DRK Seniorenheim aus Walsrode besonders intensiv. In Projekten schaffen wir
Begegnungen die für alle Beteiligten zum Erlebnis werden können.
Öffnungszeiten
der Kindertagesstätte
Mo
– Fr:
6.45
Uhr – 8.00 Uhr Frühdienst
8.00
Uhr – 12.00 Uhr Regelgruppen am Vormittag
8.00
Uhr – 13.00, bzw. 14.00 Uhr Integrationsgruppen
12.00
Uhr – 13.00 Uhr Verlängerter Vor- und Nachmittagsdienst
13.00
Uhr – 17.00 Uhr Regelgruppen am Nachmittag
Schlusswort
Die
Konzeption ist vom Gesamtteam erarbeitet worden.
In
Diskussionen, Teamsitzungen, Studientagen und Fortbildungen wurde das Konzept
entwickelt.
Herr
Hans-Dieter Rech, Fachberater für Elementarerziehung vom Landkreis Soltau- Fallingbostel
hat beratend zur Seite gestanden. Das Team dankt für seine Unterstützung.
Die
Gesamtleitung hatte Frau Susanne Hessland, Fachbereichsleitung des Vereins und
Leiterin der Einrichtung.
Die
Konzeption bildet für alle Teammitglieder die Grundlage zur pädagogischen und
therapeutischen Arbeit.
Diese
Konzeption wird bei Veränderung aktualisiert.
Walsrode,
dem 20.10.2002
Überarbeitet
am 05.05.2004
„Ein
Kind hat hundert
Möglichkeiten.
Ein
Kind hat hundert Sprachen,
hundert
Hände,
hundert
Gedanken.
Es
besitzt
hundert
Weisen zu denken,
hundert
Weisen zu spielen,
hundert
Weisen zu sprechen,
Hundert,
immer
hundert Weisen
zu
hören,
zu
staunen,
zu
lieben.
Hundert
Möglichkeiten
zum
Singen,
zum
Verstehen,
hundert
Welten zu erfinden,
hundert
Welten zu träumen
Ein
Kind hat hundert Sprachen
doch
es werden ihm neunundneunzig geraubt.
Die
Schule und die Umwelt trennen ihm den Kopf vom Körper.
Sie
bringen ihm bei
ohne
Hände zu denken
ohne
Kopf zu handeln
ohne
Vergnügen zu verstehen
ohne
Sprechen zuzuhören
nur
Ostern und Weihnachten zu lieben und zu staunen.
Sie
sagen ihm, dass die Welt bereits entdeckt ist
und
von hundert Sprachen rauben sie dem neunundneunzig.
Sie
sagen ihm
dass
das Spielen und die Arbeit
die
Wirklichkeit und die Phantasie
die
Wissenschaft und die Vorstellungskraft
der
Himmel und die Erde
die
Vernunft und der Traum
Dinge
sind, die nicht zusammengehören.
Sie
sagen also, dass es die hundert Sprachen nicht gibt.
Das
Kind sagt: „ Aber es gibt sie doch.“
Louis
Malaguzzi,Reggio Emilia
Zitat aus: „Jedem Anfang wohnt
ein Zauber inne“ von Hermann Hesse
„Echte Bildung ist nicht zu irgendeinem Zwecke, sondern sie hat, wie
jedes Streben nach Vollkommenen, ihren Sinn in sich selbst. So wie das Streben
nach körperlicher Kraft, Gewandtheit und Schönheit nicht irgendeinen Endzweck
hat, etwa den, uns reich, berühmt und mächtig zu machen, sondern seinen Lohn in
sich selbst trägt, indem es unser Lebensgefühl und unser Selbstvertrauen steigert,
indem es uns froher und glücklicher macht und uns ein höheres Gefühl von Sicherheit
und Gesundheit gibt, ebenso ist auch das Streben nach „Bildung“, das heißt nach
geistiger und seelischer Vervollkommnung, nicht ein mühsamer Weg zu irgendwelchen
begrenzten Zielen, sondern ein beglückendes und stärkendes Erweitern unseres Bewusstseins,
eine Bereicherung unsrer Lebens- und Glücksmöglichkeiten. Darum ist echte Bildung,
ebenso wie echte Körperkultur, Erfüllung und Antrieb zugleich, ist überall am
Ziele und bleibt doch nirgends rasten, ist ein Unterwegssein im Unendlichen, ein
Mitschwingen im Universum, ein Mitleben im Zeitlosen. Ihr Ziel ist nicht Steigerung
einzelner Fähigkeiten und Leistungen, sondern sie hilft uns, unsrem Leben einen
Sinn zu geben, die Vergangenheit zu deuten, der Zukunft in furchtloser Bereitschaft
offenzustehen.“
Hermann Hesse
Quellenverzeichnis
Bundesverein
zur Prävention von sexuellem Missbrauch
Kindergarten
heute zum Thema „Rollenverhalten – Jungen und Mädchen“
Dreier,
Anette
„Was
tut der Wind, wenn er nicht weht?“
FIPP
– Verlag 1993
Elschenbroich,
Donata
„Weltwissen
der Siebenjährigen“ – Wie Kinder die Welt entdecken können
Kunstmann
Verlag
„Ich
sag NEIN“
Arbeitsmaterialien
gegen den sexuellen Missbrauch an Jungen und Mädchen
Verlag
an der Ruhr
Jansen,
Frank / Wenzel, Peter
„Von
der Elternarbeit zur Kundenpflege“
Verlag
Don Bosco
Liebau,
Eckhart
„Die
Kultivierung des Alltags“
Juventa
Verlag
Lill,
Gerlinde (Hrsg.)
„Von
Abenteuer bis Zukunftsvision“ – Qualitätslexikon für Kindergartenprofis
Luchterhand
Verlag 1998
Pesch,
Ludgar
„Team-Entwicklung“
Top
Verlag
Schriftenreihe
des Bundesministeriums / Modellprojekt „Wildwasser“
„Weil
ich-Nein-sagen darf“
Textor,
Martin
„Kooperation
mit den Eltern“
Verlag
Don Bosco
Zimmer,
Renate
„Handbuch
der Bewegungserziehung“
Verlag
Herder
Anhang II
Fremdworterklärungen
adäquat: lat. angemessen
autonom:
griech. selbständig, unabhängig
Defizit: lat. Mangel
Integration:
lat. Vervollständigung, Eingliederung,
Vereinigung
Intervention: lat. Vermittlung
kognitiv:
lat. die Erkenntnis betreffend,
erkenntnismäßig
Konstruktion:
1. Bauart, 2. geometrische Darstellung
metakognitiv:
meta = griech. zwischen, mit, um, nach
(kognitiv= siehe oben)
Motorik:
psych. Gesamtheit der Bewegungsabläufe des menschlichen Körpers, Bewegungslehre
Partizipation:
lat. Teilnahme, Teilhabe
Präambel:
feierl. Einleitung, Vorrede
Psychomotorik:
griech. das sich nach psychischen Gesetzen
vollziehende
Bewegungsleben, in dem sich ein bestimmter
normaler oder
pathologischer Geisteszustand der Persönlichkeit
ausdrückt